Die angebliche Bucket List vor dem 30. Geburtstag

Ich, Marie (Name geändert) werde nächstes Jahr 30 Jahre alt. Ob ich dem mit einem Lächeln oder mit Ehrfurcht entgegen sehe weiß ich noch nicht genau. 

Aber eines weiß ich: mir schwirren viele Gedanken, Sorgen und Zukunftsängste im Kopf herum, wenn ich daran denke, dass die wilden Zwanziger bald vorbei sind und man doch so langsam mal erwachsen werden sollte. Ein gewisser unterschwelliger Druck baut sich auf, eine Art Panik, FOMO oder auch: verlaufen die nächsten Jahre so, wie ich es mir wünsche? Und noch viel wichtiger: Was ist, wenn mein Masterplan nicht aufgeht? 

Erst vor ein paar Tagen habe ich mich mit einer Bekannten unterhalten, die in zwei Jahren ihren 40. Geburtstag feiert und ihr gut gemeinter Rat war: Es kommt eh immer anders, als Du es Dir vorstellst und wünschst, also bleib spontan und genieße Dein Leben. Ja, diesen Spruch kennen wir wohl alle. Trotzdem stehen ein paar Dinge auf meiner Bucketlist, die ich eigentlich gerne vor oder spätestens im 30. Jahr meines Lebens erledigt, getan oder bekommen haben möchte.

Meine (before) Dirty Thirty Bucket List:

  • Beziehung, Liebe und der nächste Schritt: Diejenigen Pärchen, die inzwischen ein paar Jährchen zusammen sind, fangen das Heiraten an. Absolut fein und Hochzeiten sind etwas super Schönes. Nur eine Sache nervt extrem: die Frage nach der eigenen Hochzeit. Erstens sei mal dahin gestellt, ob man überhaupt als Paar heiraten möchte. Zweitens kann man einen Antrag (wenn man ihn nicht selbst macht) nicht herbeiführen und drittens: bitte hört auf das zu fragen. Es ist nervig, kann zu Streit in Beziehungen führen und setzt einen latent unter Druck. Dieses “man muss ja irgendwann heiraten”... Sieht mein Partner / meine Partnerin in mir nicht die Richtige Person, weil ich vor der magischen 3 noch keinen Antrag bekommen habe? Werde ich in meinen Dreißigern (oder später) noch verlassen und bin ein Leben lang alleine? Viele Beziehungen machen es vor, dass eine Heirat absolut kein Muss mehr ist - zum Glück. Aber dennoch ein Ereignis, welches sich sicherlich viele unter euch wünschen und es doch ein guter Punkt auf der Bucket List vor dem 30. Geburtstag ist. Engagement
  • Kinder: Puh, wo soll man da nur anfangen? Grundsätzlich ein sehr heikles Thema, denn selbst, wenn man gerne Kinder möchte, heißt das noch lange nicht, dass das so einfach ist und auch funktioniert. Auch die Angst selbst, dass es bei einem mal nicht klappen sollte und ein unerfüllter Wunsch bleibt. Aber auch hier die Erwartungshaltung - gerne auch von den Eltern, die Enkelkinder haben möchten - und von Anderen. Ab dem Zeitpunkt, wenn man in einer längeren und vermeintlich langfristigen Beziehung ist, häufen sich die Fragen über Kinderwunsch und gerne auch mal ein kleiner Seitenhieb, dass die biologische Uhr tickt. Danke ja, als Frau weiß man das. Macht der Druck es besser? Sicherlich nicht. Für mich ist das Kinder Thema höchst sensibel, aber auch wirklich mit zahlreichen Ängsten verbunden. Natürlich stellt man sich auch die Fragen, wie das dann mal ist, ob man etwas verpasst, wenn man zu früh Kinder bekommt, ob das Leben dann “vorbei” ist. Im Freundeskreis kriegt man die und die Seiten mit, aber gerade ein Punkt bereitet mir hierbei am meisten Sorge…Früher hatte ich immer die Vorstellung, mein erstes Kind mit Mitte 20 zu bekommen. Tja, Fehlanzeige. Inzwischen ist dieser Punkt weiter in den Hintergrund gerückt, weil gerade durch zwei Jahre Corona und Pandemie viel verloren gegangen ist und einige Dinge Priorität haben. Aus eigener Erfahrung und von vielen Freundinnen weiß ich aber, dass für viele feststeht, dass sie das erste Kind vor dem Dreißigsten haben möchten. Pregnancy
  • Beruf & Karriere: Girl Power! Zum Glück wandelt sich die Arbeitswelt und Frauen erlangen immer mehr Gleichberechtigung. Doch hört man nicht selten, dass Frauen in Bewerbungsgesprächen (was übrigens strengstens verboten ist) über ihr Privatleben und einen potenziellen Kinderwunsch ausgefragt werden. Auch wage ich einmal zu behaupten, dass Frauen im "gebärfähigen" Alter, wie man so schön sagt, sicherlich den ein oder anderen Job nicht bekommen, aus Angst davor, dass man bald in Mutterschutz geht. Dabei ist die Frauenpower in der Arbeitswelt so wahnsinnig wichtig. Die beiden Gründerinnen von Bears with Benefits machen es uns Mitarbeiterinnen grandios vor. Ja, beide haben Kinder und ja, beide arbeiten und ja, beide haben selbst ein erfolgreiches Unternehmen gegründet. Auch hier sind die Männer jeweils berufstätig, aber trotzdem kriegen sie es hin, dass auch Frauen arbeiten und Karriere machen. So oder so ähnlich wünsche ich mir das für meine eigene Zukunft auch. Sich als Frau nicht entscheiden zu müssen zwischen Beruf und Familie, sondern einen guten Mittelweg zu finden, sodass man als Frau noch andere Dinge zu tun hat, außer den Haushalt und Kinder zu versorgen. An alle die Damen da draußen, die aus Leidenschaft Hausfrau und Mutter sind: genauso fein! Das soll nicht wertend klingen. Girl Boss

Das waren also meine Gedanken und Dinge, die mich kurz vor den Dreißigern beschäftigen. Sicherlich alles Punkte, über die es normal ist, sich mehr und mehr Gedanken zu machen, je älter und erwachsener man wird. Eben genau dann, wenn der Freundeskreis damit startet und man das Grübeln anfängt. 

Ich hoffe, ich kann damit Frauen ansprechen, die in einer ähnlichen Situation stecken. Eines möchte ich zum Schluss noch loswerden: Wir sollten alle unseren Weg so gehen, wie er kommt. Es wird Tiefen geben, aber auch Höhen. Es wird nicht alles so verlaufen, wie man es sich wünscht, unerwartete Probleme werden auftauchen, aber fast nichts ist unlösbar. Ob da jetzt eine 2, 3, 4 oder 5 als Erstes steht, ist eigentlich komplett egal, solange man selbst glücklich mit sich und dem Leben ist. Cheers to us!